FG Narrhalla
 


 
 
  Gesellschaft zur Erhaltung Buchener Bräuche und Sitten
Fasenachtsgesellschaft Narrhalla Buchen e.V.

 
 
  Schon der Name der Gesellschaft sagt viel über den Grundgedanken, die Ziele und die Verpflichtung aus, die man bereit ist zu übernehmen und zu verwirklichen.
 
Wie die Geschichte belegt, gehen die fasenachtlichen Bräuche und Sitten in Buchen viele Jahrhunderte, wenn nicht sogar weit in die vorchristliche Zeit zurück. Man weiß, dass die Bräuche und Sitten in der langen Zeit des Bestehens nie statische Gebilde waren. So wurden in einem lebendigen Wandel die historischen Entwicklungen nachvollzogen, ohne die individuelle Eigenart der Buchener Fasenacht zu verlieren. Daher kann auch Traditionsbewahrung allein nicht die einzige Aufgabe lebendiger Brauchtumspflege sein.
Huddelbätze in Buchen  
  Obwohl im Jahre 1870 die Fasenachtsgesellschaft Narrhalla Buchen schon erwähnt wurde, waren es wieder einmal ganz bestimmte Anlässe und Zwänge, die im Jahre 1879 zur Gründung des Vereins führten. Die Begründung könnte auch aus unseren Tagen stammen: 'Um nicht alljährlich bei Veranstaltungen von Maskenzügen in die Lage zu kommen, die Gelder auf dem allerdings nicht mehr ungewöhnlichen Wege des Bettelns zusammenfechten zu müssen, den seit vielen Jahren bestehenden Namen Narrhalla zu einer dauernden Gesellschaft auszubauen, deren Hauptzweck neben der Pflege von Witz und Humor die alljährliche Veranstaltung von Maskenzügen sein soll.'
 
Die Gesellschaft überstand zwei Weltkriege. Es spricht für die Bevölkerung von Buchen, dass bereits 1946 der 'Hohe Elferrat der Bleckerstadt Buchen' sich wieder gegründet hat. Folgerichtig wurde das 500 jährige Fasenachtsjubiläum im Jahre 1947 ein großartiges Fest mit überregionaler Beachtung. Durch die Übertragung dieser Veranstaltungen durch den Hörfunk, konnte man dieses Ereignis selbst in Afrika miterleben.
 
Einer umsichtigen, verantwortungsvollen und gekonnten Vereinsführung in all den Jahrzehnten ist es zu verdanken, dass die Fasenachtsgesellschaft Narrhalla Buchen heute einen gesunden Verein präsentieren kann. Die Mitgliederzahl beträgt fast 600, wobei es besonders erfreulich ist, dass der Anteil der Jugend ständig wächst. Dies wird durch eine umfangreiche Jugendarbeit erreicht, die sich über das gesamte Jahr erstreckt.
 
  Narrenbrunnenpreis    Trommlerpreis  
Am 16. November 1990 wurde den Buchener Huddelbätzen der 'Narrenbrunnenpreis' der Stadt Ettlingen verliehen, eine weitere Auszeichnung folgte im Jahr 1996 von der Karnevalsgesellschaft
Narhalla Philippsburg e.V. mit dem 'Trommlerpreis'.
 
  Im Jahre 1951 war Buchen der Gründungsort für den Narrenring Main-Neckar (damals 'Fränkischer Narrenring') und die FG Narrhalla ist selbstverständlich auch Gründungsmitglied. Dem 'Bund Deutscher Karneval' (BDK) trat man 1955 bei. Weiter ist die Gesellschaft Mitglied der 'Närrische Europäische Gemeinschaft' (NEG).
 
Mit vielen Fasenachtsgesellschaften in näherer und weiterer Umgebung hat die Narrhalla Buchen enge Kontakte. Seit Anfang der sechziger Jahre werden internationale Beziehungen mit interessanten europäischen Städten gepflegt. Und die 'Huddelbätze' sind europaweit gern gesehene Gäste.
 
  Mit tatkräftiger Unterstützung von einem Großteil der Buchener Mitbürger, konnte 1980 das erste 'Internationale Narrentreffen' organisiert und durchgeführt werden. Gruppen aus Deutschland und acht europäischen Ländern zeigten ihre Kostüme und Bräuche vor einem großen Publikum. 30.000 Besucher ließen sich von dieser internationalen Demonstration des fasenachtlichen Geschehen begeistern. Vitrine im Zunfthaus  
  Noch großartiger war der Erfolg des 2. 'Internationalen Narrentreffen' im Jahre 1990. Gleichzeitig feierte die Fasenanachtsgesellschaft Narrhalla Buchen ein närrisches Jubiläum, sie wurde 111 Jahre alt. Über 2.000 teilnehmende Gäste aus nah und fern, diesmal waren neun europäische Länder vertreten, ließen die Stimmung überschwappen. Es zeigte, wie interessant fasenachtliches Brauchtumsgeschehen aufgenommen wird. Über 40.000 Zuschauer sahen den Umzug und waren begeistert. An diesen Tagen war Buchen die europäische Hauptstadt des närrischen Brauchtums. Und wieder war es die Buchener Bevölkerung, die sich in das fasenachtliche Geschehen fest eingebunden fühlt und durch ihre Mithilfe eine so große Veranstaltung ermöglichte.
 
Im Jahre 2002 hieß es dann am 2. und 3. Februar 'Europaweit im Narrenkleid' - kommt und feiert mit. Anläßlich des Jubiläums '555 Jahre Fasenacht in Buchen' führte die FG Narrhalla das dritte 'Internationale Narrentreffen' durch. Näheres zu diesem Großereignis finden sie unter dem entsprechenden Menüpunkt auf dieser Internetseite.
 
 
  as Zunfthaus von aussen    as Zunfthaus von innen Die Vereinsarbeit teilen sich vier geschäftsführende Vorstände, neun Mitglieder des erweiterten Vorstandes und der Große Rat. Die Gesellschaft hat mit ihrem 'Zunfthaus' ein eigenes kleines Fasenachtsmuseum, das nach vorheriger Absprache der Öffentlichkeit zugänglich ist. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, darin kleinere Besprechungen durchzuführen.  
   
Der jährliche offizielle närrische Dienstkalender beginnt mit dem 11.11.. Morgens kurz nach 10 Uhr werden die im Zunfthaus anwesenden Narren geweckt, noch im Nachthemd und Schlafmütze marschieren sie, begleitet von der Krachkappelle zum Alten Rathaus. Dort wird dem schon wartenden Bürgermeister der Pachtzins für das Zunfthaus entrichtet. Dazu wird dem Stadtoberhaupt als Dank eine 'Martinsgans' überreicht. Pünktlich um 11.Uhr 11 wird dann der Große Rat im Museumshof auf die neue Session vereidigt. Nach dem Nachsprechen der Eidesformel bestätigen die Räte mit ihrer Unterschrift und dem anschließenden Bleckerkuss ihre Bereitschaft der uneingeschränkten Mitarbeit. Dieser Zeremonie schließt sich das traditionelle Grünkernsuppe-Essen in der Zehntscheune an. Danach marschieren alle zum Narrenbrunnen, ein von dem berühmten Bildhauer Josef Neustifter geschaffenes Kunstwerk, der am 11.11.1998 enthüllt wurde, denn dort fließt zum Erstauen für alle Besucher zu diesem Zeitpunkt kein Wasser, sondern Rotwein.
 
Anfang Dezember werden die Wagenbauer zu einer Rosenmontagsumzug-Besprechung für das kommende Jahr eingeladen. Gleichzeitig wird das Fasenachtsmotto für das darauf folgende Jahr erarbeitet.
 
'Narren' im Nachthemd
 
'Vereidigung' im Museumshof
 
Die 'Narren' am Narrenbrunnen
 
 
  Ein aus germanischer Zeit stammender Vegetationskult findet sich wieder, wenn in der letzten der zwölf Rauhnächte, am 5.Januar, die Birkenreiser geschnitten und zur Ruten für die Huddelbätze gebunden werden. Dies gehörte zu den vorchristlichen Fruchtbarkeitsriten, als man noch glaubte, dass der Schlag mit der „Lebensrute" den Frauen zur Fruchtbarkeit verhelfe.
 
 
  Stadtkapelle
 
'Ausscheller
Eine Woche vor dem Schmutzigen Donnerstag feiert die Fasenachtsgesellschaft in einem würdigen Rahmen das 'Ordensfest'. In der eigentlichen Fasenachtswoche drängen sich die Termine. Beginnend mit der 'Gänsmarschbesprechung' am Dienstag, hier zieht der 'Große Rat' begleitet von der Stadtkapelle durch die Stadt, bevor es zur eigentlichen Besprechung geht. Es folgt am Mittwoch der Seniorennachmittag mit dem Motto 'jung für alt' und dann am Schmutzigen-Donnerstag werden zuerst die Kindergärten und Schulen von den Huddelbätzen besucht, anschließend fährt der 'Ausscheller' mit einer geschmückten Kutsche durch die Stadt und 'ruft' die Buchener Fasenacht aus, gleichzeitig fordert er die Einwohner auf, ihre Häuser mit Wäsche zu schmücken. Um 18.31 marschieren die Elferräte zum 'Alten Rathaus'. Dort findet dann ein Fasenachtsspiel statt: Die Ausgrabung der Buchener Fasenacht. Dies ist ein weiteres Zeichen für die urwüchsigen Wurzeln unserer Fasenacht, die an Frühlingsfeste erinnern mit dem Fruchtbarkeitszauber, Dämonenverjagen und Winteraustreiben. Anschließend gehört die ganze Stadt der Bevölkerung und den  
  Besuchern, wenn in den Straßen und in den Gasthäusern bis in die frühen Morgenstunden ausgiebig gefeiert wird.
 
Am Fasenachtssamstag beginnt um 19.31 die Sitzung 'Närrisches Buchen'.
 
Ein weiterer Höhepunkt der zum Brauchtum unserer Fasenacht gehört, ist der 'Gänsmarsch' am Sonntag. Vor dem eigentlichen Zug ziehen die 'Müller' aus dem Mühltal kommend voraus, denen sich dann ab 14.11 Uhr der eigentliche Gänsmarsch anschließt. Und um Mitternacht verhandelt das Narrengericht vor dem 'Alten Rathaus' Narren gegen Narren.
 
Von Jahr zu Jahr großartiger der Rosenmontagsumzug. Über 60 Zugnummern ziehen zehntausende Besucher an. Pünktlich ab 14.11 Uhr beginnt das tolle Spektakel, das vor dem 'Neuen Rathaus' endet. Direkt anschließend geht es in Frankenlandhalle weiter, damit die Besucher noch möglichst lange die Buchener Fasenacht genießen können.
 
Der Fasenachtsdienstag beginnt um 10.11 Uhr mit dem Frühschoppen im Hotel Prinz Carl für geladene Gäste aus Wirtschaft und Politik. Anschließend, um 14.11 Uhr findet der Kinderumzug statt, der mit einem Kindernachmittag in der Frankenlandhalle endet.
 
Alles hat ein Ende, auch die Fasenacht in Buchen, wenn kurz vor 24.00 Uhr die Elferräte, begleitet von der Stadtkapelle und einer großen Zahl Huddelbätze zum 'Alten Rathaus' ziehen. Dort wird eine Huddelbätzpuppe verbrannt, dabei kräftig geweint, gesungen und getanzt. Dann marschieren alle zur Mariensäule 'Am Bild', noch einmal spielt die Stadtkapelle 'Kerl schlof ei, die Fasenacht is vorbei'. Das war es dann auch und die Ruhe kehrt wieder in Buchen ein.
 
Am Aschermittwoch treffen sich die Aktiven zum abschließenden Heringsessen. Und schon werden wieder die ersten Pläne für die neue Kampagne geschmiedet.